La mise(ère?) en route!
'Dans son jus'...Im eigenen Saft gegart. Diese, in französischen
Annoncentexten viel zitierte Zustandsbeschreibung, trifft selten genau
auf unsere 79er 504 Berline zu, welche ganze 16 Jahre lang vor sich hin
schlummerte. - 4 neue Michelin Reifen Sieht doch ganz übersichtlich aus, oder? Und die Tatsache, dass
die beauftragte Peugeot-Werkstatt einen kürzlich in den
(Un)Ruhestand getretenen Meister der alten Schule in 'Reserve' hat,
welcher interessiert seine Runden um den gewaschenen 504 dreht, stimmt
doch zusätzlich
zuversichtlich! |

Als erstes wird der Tank geleert. Zeitgenössisches rotes Super-Benzin
verbleit! Auch alle restlichen Flüssigkeiten der Antriebseinheit
werden gewechselt. Durch die Kerzenlöcher WD40 eingespritzt, ein
paar Stunden einwirken lassen und den Motor erst mal von Hand durchdrehen.
Soweit der Plan. |

Mittlerweile demontierte der Meister
den Ventildeckel 'um mal nach dem Rechten zu sehen'...Dabei stellte er
fest, dass sich 'nur' das dritte Auslassventil weigert aus dem Tiefschlaf
zu erwachen. Es bewegt sich keinen Millimeter und lässt sich auch
nicht mit den üblichen zulässigen und weniger zulässigen
(aber kostengünstigen) Mitteln dazu überreden...Aber der Kopf
sollte doch erst nach ein paar tausend Kilometer runter! Und das in kostensparender
Eigenleistung an einem verregneten Samstag? Einmal tief durchatmen, die
lausigen paar zusätzlichen Arbeitsstunden in die dynamische Kostenrechnung
aufnehmen und sich dafür freuen, dass die ZKD dann schon ersetzt
sein wird. Auch ein frisch geplanter Kopf und die neue WAPU--Dichtung
geben dann auf der ersten Urlaubsfahrt ein gutes Gefühl.
Oder? |
Ventile ausgebaut, Führungen
poliert, Kopf auf der Drehbank geplant und alles sauber gereinigt. Freude
herrscht! Wen mag es da nachdenklich stimmen, dass die eben ausgebaute
'alte' Kopfdichtung aussah wie neu und trocken war wie die Wüste
Gobi? Trocken....Hatten wir das nicht eben schon bei den leicht angerosteten
Ventilführungen? Vermissten wir nicht schon nach dem Abnehmen des
Ventildeckels das normalerweise schlecht verdunstende Öl? Was sagt
das unserem armen geplagten Suisse-Besitzer? Trocken zusammengebaut? Vor
16 Jahren? Kurz vor der Stilllegung? Nun, die fixen Mannen der beauftragten
Werkstatt bauten den Kopf so schnell wieder zusammen, dass ihm keine Zeit
blieb in all zu tiefer Depression zu verharren. Schliesslich erwartete
ihn die Nachricht des ersten Probelaufs schon am nächsten Tag. |

Die Maschine gibt erste Lebenszeichen von sich! Die heftige Rauchentwicklung, welche zur kurzfristigen Evakuierung der Werkstatt führte, geht auf die neu montierte Auspuffanlage zurück, welche sich der frisch aufgetragenen Montagepaste wieder entledigen will... Standschaden Nr. 1 ist also behoben. Standschaden Nr. 3 war erwartet und budgetiert. Die Bremsen rundum brauchten einige Zuwendung: Abdrehen der rostigen Scheiben, neue Klötze, Schläuche, Revision der Zangen mit den entsprechenden Zylindern. Routine. Den ersten Probefahrten steht somit nichts mehr im Weg. Dachten wir. Warum nur liess sich die Zündung partout nicht korrekt einstellen? Den mit neuem Unterbrecher bestückten Verteiler schon bis zum Anschlag gedreht, und immer noch weit vom korrekten Wert entfernt? Ratlosigkeit. Und die Gewissheit, dass die Kiste so nie richtig gelaufen sein kann vor der Stilllegung. Wurde der Motor ev. mal ganz zerlegt? Die Steuerkette 'um einen Zahn' versetzt montiert? Was stimmt hier nicht? Die Aussicht auf eine erneute Teilzerlegung des Triebwerks liess unseren geprüften Käufer nachhaltig erblassen, da die bisher aufgelaufenen Kosten imperativ einen Baustopp nahelegten...Buchstäblich im letzten Moment kam die rettende frohe Botschaft! Eine erneute Überprüfung des Verteilers zeigte einen falsch eingebauten Hebel welcher die Fliehkraftverstellung verunmöglicht hatte...Erneut kommt die Frage auf, wer sich vor vielen Jahren mit welchen Kenntnissen an dem Motor vergriffen hat? Endlich können die ersten Probefahrten unter die Räder genommen werden! Gesagt , getan. |

Hélas! Rauchzeichen? Während sich echte und selbst ernannte Experten in aller Ruhe darüber unterhalten ob der Rauch nun Dampf sei, blau, braun oder weiss, schnappt jemand nur noch verzweifelt nach Luft. Verfällt in dumpfes Schweigen. Auf Aufmunterungsversuche ('Der Rauch ist nicht braun! Somit ist es nicht die Membran! Sieh das doch positiv?') via SMS reagiert er mal giftig, mal depressiv. Gut, dass er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiss, dass die Öldrucklampe auch schon erste scheue Alarmzeichen von sich gegeben hat. Dies obwohl doch erst 4.5 liter einfüllt wurden... Schonung scheint also erstmal angesagt. Ein Erfolgserlebnis dringend nötig. Deshalb ab in den heimischen Keller zum Alu-Felgen renovieren. Ein willkommenes Kontrastprogramm zwischen den Festtagen! |

Die Ausgangslage: 2-farbige 'Amils' des Herstellers Dunlop (!)
Schleifen, Grundieren, Abkleben.
Für einmal im Hobbyraum (Wie lüftet man den?)
Regelmässiger Farbauftrag garantiert!
Endlich ein Grund zur Freude!
Die originale Farbe mischte uns ein freundlicher Farbenhändler
kurz vor der Mittagspause nach Originalmuster und füllte diese
in 2 Sprühdosen mit Spezialventil ab. |
Aber nun zurück zur bitteren Realität auf der Hebebühne...Die Felgen frisch renoviert, erreicht unseren viel geprüften Suisse-Eigner folgendes Email mit Bildern aus der Firma seines Vertrauens: Nachdem mein Vater am Sonntag noch wollte....dann aber
vom sonntäglichen Qualm (504) doch noch Respekt hatte, machten wir
erst am Montag weiter. Wir hatten angenommen, es sei noch Dreck in Form
von verdunsteten Benzinrückständen (Ölfilter schwarz) im
Tank und wollten diesen raus spülen. Was wir auch gemacht haben.
Das seltsame: Der Dreck hatte bei laufendem Motor immer nach verbranntem Öl
gerochen. |
Die Kugelfischer... Standschaden Nr. 4 (Die einkalkulierten Bremsen
nicht eingerechnet). Vielleicht der heftigste. Der potentiell teuerste...
Unser Besitzer tauchte ab. Beantwortete erst mal keine SMS und Emails
mehr. Deinstallierte Skype und nahm das Telefon nicht mehr ab. Ich begann
mir Sorgen zu machen, wusste ich doch um die Höhe seiner Kriegskasse...Sah
ich dunkle Gestalten auf Brücken oder in der Nähe von Bahngeleisen,
verlangsamte ich meine Fahrt... Prüfte allmorgendlich die Flanken
meines unschuldigen TI's auf nächtliche Vandalenschäden unbekannten
Ursprungs... |
Der Rest ist schnell erzählt!
Pumpenteil durch ein funktionierendes ersetzt, damit die Karre endlich
geprüft werden kann. Dann die Überführung zum Wohnort des
Besitzers, wo ein ganzes Arsenal an Kosmetikprodukten darauf wartet ihre
Wirksamkeit zu beweisen... Nach ein paar Tagen sollte der 504 wieder zurück
in die Garage um geprüft und eingelöst zu werden. |

Der Tank halbvoll. Wir fahren in die 40 km entfernte heimische Tiefgarage!

Dicht gefolgt vom Chefmechaniker im Einskommasechser. Für den Fall der Fälle...
Der Suisse wird noch am selben
Abend mit allem gereinigt, poliert und gewachst, was Swizöl
(!) so erfunden hat. Noch spät in der Nacht schrecken mich SMS-Nachrichten
auf, welche von, unter dem Monokel aufgetauchten, Lackabplatzern
und ähnlichen
Lappalien berichten. Ein Auto wird zum heiligen Gral! |
Ein paar Tage später die Fahrt
zurück
zur Werkstatt. Diesmal begleitet vom Familien-605. Zum Glück... |

Am heiligen Sonntag erreicht mich
eine SMS. Der Suisse steht! Ende. Mitten in einem Dorf. Auf meine telefonische
Nachfrage, ob denn noch Benzin im Tank sei, reagiert man naturgemäss
leicht genervt...Der Tank zeige noch halb voll. Hmmm. Immer noch? |

Es kam, wie es kommen musste. Zum Glück war der Sonntagsbraten des freundlichen Garagisten noch nicht auf dem Teller... Die Diagnose musste dann allerdings bis Montag warten. Nur so viel: Ein letzter kleiner Standschaden musste einfach noch sein! Der Tankgeber. Unser mittlerweile aber mit allen Wassern gewaschener und stolzer 504-Besitzer nahm's für einmal gelassen. Wurde der Wagen doch endlich mit 0 Fehlern und sans contrevisite über die MFK gefahren und wartete nur noch darauf, den begehrten Ausweis zu erhalten!
Es ist soweit! Noch am selben Nachmittag fahren wir auf eine kleine Anhöhe um den Wagen mit ein paar ersten Bildern zu feiern!
Mit diesem Bild verabschiedet sich die 18-monatige Story über eine leidvolle, spannende und einfach schöne Suche nach der perfekten Peugeot 504 Ti Automatique! Spannende Menschen, schöne Landschaften und das eine oder andere Bier haben uns viel Freude gemacht. Ein bisschen werden wir's wohl vermissen. Bleibt uns nur noch, dem glücklichen 504-Suisse Fahrer gute Fahrt zu wünschen. Möge die Membran noch ein wenig halten ;-) |
Im 'archiv' findet ihr die (lange) Vorgeschichte
Im 'archiv' findet ihr die (lange) Vorgeschichte