
Gleich
drei Mal wollen wir sie verbauen. Die elektronische Zündanlage aus
Holland. Keine Unterbrecher mehr wechseln, keine Schliesswinkel einstellen.
Dies ist ungefähr das, was wir von ihr erwarten. Und natürlich wären
20 PS mehr und 2 Liter weniger Verbrauch auch ganz angenehm ;-). Sollte
doch drinliegen oder? Laut Werbung haben wir es hier mit waschechter
Formel 1 Technik zu tun! Spark Balancing! Die Elektronik soll minimalste
Leistungsveränderungen taktweise (!!!) erkennen und ausgleichen.
Na dann! Im Ernst: Wir erwarten keine Wunder. Ausserdem sind unsere
Kisten schon bisher sehr gut gelaufen.

Den Warnhinweis an der Innenseite
der Motorhaube muss ignorieren, wer sich zum Einbau entschliesst...

Die
neuen Verteiler werden mit Bakelitdeckel geliefert, welcher sich nicht
vom originalen unterscheidet. Wer schon die 'blaue' Hochspannungszündspule
drin hat, kann auf den Kauf einer neuen verzichten. Wer noch mit der
originalen, grünen Ducellier fährt, muss diese durch eine neue (hässliche)
ersetzen. Unsere Zündkabel lassen wir drin, weil wir nicht an Hokuspokus
glauben.

Als erstes stellen wir die Motoren auf OT 1. Zylinder. Dazu entfernen
wir die Zündkerzen um den Motor am Alternator leichter durchdrehen
zu können.

Bevor wir die originalen Ducellier M95 Verteiler ausbauen,
stellen wir an der neuen Zündung die korrekte Verstellkurve ein.
Die richtige Kurve kann anhand einer mitgelieferten Liste ausgewählt
werden. Sie orientiert sich an der Nummer des originalen Verteilers.
Die neue Zündanlage kann so auch problemlos in einen 504 GL oder
einen 403/404/505/204/304 etc. eingebaut werden.
Eingestellt wird die Kurve ganz einfach mit einem kleinen Schraubenzieher
an der kleinen Verstellschraube im Loch an der Unterseite des neuen Verteilers.
Beim XN2 wird die Schraube auf die Position 'B' gebracht. Fertig.

Nun
merken wir uns die Stellung des Läufers, bevor wir den alten Verteiler
ausbauen. Zehn nach Zwei nennen wir die Stellung mal.

Nun bauen wir den neuen Verteiler mit der gleichen Läuferstellung wieder
ein. Dabei achten wir darauf, dass der Anschluss für die Unterdruckverstellung
auf die richtige Seite zu liegen kommt.

Die zwei Anschlusskabel an die Klemmen 1 und 15 der Zündspule versehen
wir mit passenden Kabelschuhen

Nun verlegen wir die Anschlusskabel zur Zündspule, schliessen die Zündkabel
in der richtigen Reihenfolge an den neuen Verteilerdeckel an und
schrauben wieder alle Kabel an die Spule. Ausserdem wird der Unterdruckschlauch
wieder an den Verteiler angeschlossen. Wer genau hinsieht, bemerkt,
dass uns hier beim Anschliessen ein kleiner Fehler unterlaufen ist,
welcher sich später noch bemerkbar machen wird.

Nun schalten wir die Zündung ein und drehen leicht am Verteiler
bis zum Punkt, an dem die grüne Leuchtdiode gerade ein-/bzw. ausschaltet.
Wir schrauben den Verteiler erst mal leicht fest und montieren den
Deckel. Wir haben nun die Afrika-Einstellung gemacht. D.h. der
Zündzeitpunkt ist ungefähr richtig, der Motor wird so einigermassen
laufen und uns zumindest bis in die nächste Oase bringen. In
unserem Fall bis zum Motortester.

Hier werden wir nun in klassischer Manier, mit der Stroboskoplampe den
Zündzeitpunkt genau einstellen. Anschliessend geht's auf eine erste
Probefahrt um den Motor für den Abgastester auf Betriebstemperatur
zu bringen.

Es fährt! Nur der Drehzahlmesser hat noch Pause...Hmmm.

Der Fehler ist schnell gefunden. Das graue Kabel für den Drehzahlmesser
gehört an Klemme 1, das braune oben an Klemme 15.
Alle Aufwärmfahrten verlaufen ansonsten sehr zufriedenstellend....Alle?
Nun- Der Suisse sorgt noch ein wenig für Unterhaltung mit einem überkochenden
Kühler. Sein Besitzer quittiert die Dampfwolken allerdings eher
mit einer leicht depressiven Miene...Doch wer will es ihm verübeln?
Musste er doch schon einige Rückschläge während der Restauration erleben...
Der PEUGEOT-Profi, welcher auch seine samstägliche Werkstatt
und seinen wertvollen Rat zur Verfügung stellte, fand des Rätsels
Lösung allerdings relativ schnell. Nachdem klar war, dass der
Thermoschalter am Kühler Signal gab und die überbrückte
Magnetkupplung am Ventilator korrekt arbeitete, musste der Strom
irgendwo in einem Kabel Ferien machen. Kabel ersetzt - Problem gelöst.
Der Suisse Besitzer mag wieder lachen. Vorsichtig.

Die anschliessende Probefahrt zum Restaurant für ein Nachtessen zu dritt
wurde zur ersten richtigen Frühlingsaufsfahrt! Mann! Was gibt es
schöneres, als in einem 504 bei tief stehender Sonne im Cruising-Tempo
durch die Landschaft zu gleiten? Als wir mit breitem Grinsen aus
unseren Karren stiegen, war wieder einmal klar, welch' wunderbares
Auto die Franzosen da vor 40 Jahren auf die Räder gestellt haben!
Wer's nicht glaubt, soll sich mal in einen 40-jährigen Opel oder
Ford setzen und ein wenig durch die Gegend holpern...Sorry Freunde
;-) Oder wie der Werkstatt-Senior zu sagen pflegte: Andere fahren
auf dem Fahrwerk - Ein Peugeot fährt auf der Strasse!

Vor dem Hintergrund der samstäglichen Ausnahmesituation in der PEUGEOT
Markenvertretung hier noch ein paar erste Fakten und Eindrücke zur
neuen Zündung:
Der Einbau der 123-Ignition
ist auch für Halblaien kein grosses Problem.
Ein Zeitbudget von 2-3 Stunden
ist durchaus realistisch.
Ein Leistungsplus ist subjektiv
und erwartungsgemäss nicht festzustellen.
Aber nun kommt's!
Bei einer korrekten Leerlaufdrehzal
von 900 U/min und einem CO-Wert von 1.7% ist das TI-typische, leichte
Leerlauf-Ruckeln vollständig weg! Wo sonst so alle 50 Takte mal
eine Zündung daneben ging, herrscht absolute Laufruhe! Insbesondere
Automatikfahrer bemerken diesen Fehler bei eingelegter Fahrstufe im
Stand deutlich durch leichtes, sporadisches Erzittern des Aufbaus.
Bzw. bei leicht zu tiefer Leerlaufdrehzahl, durch 'beinahe Absterben'.
Bei allen drei Motoren könnten wir nun bedenkenlos (na ja, beinahe)
ein Glas Wasser (oder Bier) auf die Ansaugbrücke stellen, ohne
dass dieses runter fallen würde.
Ein weiterer -allerdings subjektiver-
Eindruck zeigt sich schon nach kurzer Probefahrt. Beide 504-Fahrer
bemerken unabhängig von einander eine spürbar samtigere Motorencharateristik
im Teillastbereich. Das Motorgeräusch ist weicher und Vibrationen
in Händen und Füssen weniger. Aber Vorsicht: Die beiden Fahrer
hören auch sonst das Gras wachsen und haben einen sehr empfindlichen
Hintern. Bei Vollgas sind die Effekte nicht mehr wirklich spürbar.
Messbare Fakten zum Benzinverbrauch
werden hier nach ein paar Wochen nachgeliefert. Beide 504 verbrauchten
bisher immer ziemlich genau 10l/100km.
Disclaimer:
Wer das nachbaut,
tut dies auf eigene Gefahr. Vielleicht ist mir bei der Beschreibung
ein Fehler unterlaufen.